Spam 3.0 – Angebliche Fachmagazine (die keiner kennt) auf Bauernfang

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Spam ist ein ärgerliches Phänomen, an dem heute eigentlich niemand vorbei kommt. Zwar sind die Spam-Filter mittlerweile sehr gut, aber ein, zwei Nachrichten schaffen es trotzdem täglich in meinen Posteingang. Darunter auch Nachrichten, die für mich ein ganz neues Spam-Phänomen – spezialisiert auf den -Bereich – sind.

Da melden sich ominöse “Fachmagazine” per E-Mail, von denen man bisher nichts gehört hat. Im Betreff steht immer so etwas, wie “Ihr persönliches Interview mit …”. Diese Fachmagazine erinnern vom Titel her stark an renommierte Blätter – sicher kein Zufall. In der E-Mail schreibt ein “Redakteur”, dass er/sie einen Beitrag über das Unternehmen in der nächsten Ausgabe plant und noch einige Nachfragen hat, die er/sie gerne in einem persönlichen Interview vertiefen würde. Der Redakteur bittet daher um Rückruf.

PR-Spam

Als pflichtbewusste PR-Beraterin nimmt man bei dieser Anfrage natürlich zeitnah Kontakt mit der Redaktion auf. Vorher informiert man sich auf der Website über das Magazin: Direktversand an einen ausgewählten Kreis von Entscheidern, Auflage auf Messen, an Flughäfen und in renommierten Business-Hotels in ganz Europa – klingt eigentlich super.

Dann rufen wir also mal an… Man landet dabei niemals direkt beim Redakteur, wie man aus der sehr persönlichen E-Mail eigentlich vermuten würde, sondern immer bei einer Assistentin. Diese stellt auf Anfrage nicht zum Redakteur durch – der war bei allen meinen Anrufen immer nicht in der Redaktion, sondern auf Reisen. Stattdessen fragt die nette Dame nach einer Referenznummer, die sich ganz klein und unauffällig am Ende der E-Mail befindet. Offenbar braucht die Assistentin diese Nummer, um ihre Anfrage an uns aus der Vielzahl der anderen herauszufiltern – Massenversände sind halt ein typisches Spam-Merkmal.

Daraufhin möchte die Assistentin einen Telefontermin mit uns vereinbaren. Auf Nachfrage, um was es denn in dem Artikel eigentlich geht und ob man dies nicht erst einmal mit dem Redakteur besprechen kann (eigentlich das ganz normale Prozedere), heißt es, der Artikel sei geplant, aber noch gar nicht geschrieben – also ganz anders als es in der Ursprungs-E-Mail heißt.

Spätestens hier wird mein gesunder Menschenverstand misstrauisch und ich frage, ob das mit Kosten für meinen Kunden verbunden ist. Darauf die Assistentin: “Nein, nein, wir sind ein Fachmagazin und der Artikel ist natürlich kostenlos. Lediglich Bilder sind mit einem geringen Druckkostenzuschuss verbunden.” Ein zweiseitger Fachartikel bzw. ein Interview ohne Bilder??? Und dann auch noch dieses ungewöhnliche Berechnungsmodell: der Preis richtet sich nach der Kantenlänge des Bildes und man kommt im Endeffekt auf den Preis eines Advertorials.

Am Ende lehne ich freundlich, aber bestimmt ab und ärgere mich über die vergeudete Arbeitszeit.

Ich verstehe, dass die Verlage momentan mehr als klamm sind und nach neuen Erlösmodellen suchen müssen. Und ich habe verstanden, dass man Kunden auch dahingehend sensibilisieren muss, nämlich dass PR und Marketing immer stärker verschmelzen. Aber ich denke auch, dass “Fachmagazine”, die die oben beschriebene Spam-Strategie fahren, das sprichwörtliche Kuckucks-Ei im Nest der seriösen Verlage sind. Nur leider wüsste ich nicht, wie man diesen PR-Spammern rechtlich Einhalt gebieten könnte.

Habt Ihr/haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht?

Jessica Schmidt

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Aktualisiert am 10. September 2010

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