PR rund um den Globus: “Für erfolgreiche PR in Frankreich muss man französich denken” (Teil 2)

Willkommen zu Teil 2 des ersten Interviews unserer internationalen PR-Serie über -Trends, lokale Unterschiede und kommunikative Fettnäpfchen rund um den Globus.
Nachdem unsere französische PR-Kollegin Sandra Labérenne letzte Woche über aktuelle Projekte und PR-Trends berichtete, geht es heute um generelle Unterschiede und vermeidbare Fehler, die viele Unternehmen bei der PR im Ausland machen.

1.  Gibt es PR-Bereiche oder -Methoden, in denen sich Ihrer Meinung nach von der PR in anderen Teilen der Welt unterscheidet?

Sandra Labérenne: Wie sicher einige von Ihnen festgestellt haben – egal ob im Beruf oder auf Reisen in Frankreich – sind wir Franzosen sehr Frankreich-bezogen. Das beginnt schon mit der Einstellung der meisten Franzosen zum Thema Fremdsprachen. Aber auch andere Bereiche der PR Arbeit sind davon betroffen. Unsere Presse ist zum Beispiel nur an lokalen Case Studies, lokalen Kundenmeldungen und Neuigkeiten aus dem französischen Teil von Firmen interessiert.
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bevorzugt unsere Presse immer noch den persönlichen Kontakt, statt Telefoninterviews zu führen, die zum Beispiel in den USA und Großbritannien am beliebtesten sind. Da die Presse hier sehr zentralisiert ist, sind persönliche Treffen mit der Presse einfacher zu organisieren, als z.B.. in Deutschland, wo die Redakteure in München, Frankfurt, Berlin, Hamburg, etc., sitzen könnten. Viele unserer Journalisten vertrauen aber auch dabei wiederum nur den französischen Sprechern der Firmen.

2.  Was sind typische Fehler, die ausländische Firmen bei der PR in Ihrem Land machen?

Sandra Labérenne: Die französischen reagieren sehr empfindlich auf die typischen „Floakeln“, die im internationalen Marketing gängig sind. Jede Firma scheint sich beispielsweise als „führend“ in ihrer Branche darzustellen.

Außerdem schicken die meisten Firmen einen internationalen Marketing Manager oder jemanden vom Gesamtmanagement, der dann das große, globale Bild und die globale Strategie präsentiert. Sie haben oft nicht genügend Einsicht in den französischen Teil der Firma. Und wie zuvor bereits erwähnt, wird sich die französische Presse, neben einer ganz kurzen Zusammenfassung der globalen Sichtweise, fast ausschließlich auf den französischen Firmenteil, die lokalen Marktresultate und Pläne konzentrieren. Daher ist es wichtig, einen lokalen Verantwortlichen beim Interview dabei zu haben.

Aufgrund der Sprachbarriere müssen wir außerdem sicherstellen, dass das Pressematerial immer auf Französisch verfügbar ist. Das ist essentiell, da die Unternehmen sonst riskieren, dass keiner der Redakteure das Material lesen oder benutzen wird.

3.  Was sollten Kunden aus anderen Märkten bedenken, wenn sie planen, PR in Frankreich zu machen?

Sandra Labérenne: Denken Sie französisch – wenn Sie das nicht können, nutzen Sie die Gedankengänge Ihrer französischen Kollegen oder PR-Berater!
Nein nun mal ernsthaft. Ausländische Firmen, besonders Unternehmen aus den USA , denken immer noch, Europa sei eine einzige Region und berücksichtigen nicht, wie verschieden die Kulturen und die Einflüsse dieser Unterschiede auf die Arbeitsweise in den einzelnen Ländern sein können.
Neben der Sprachbarriere und den oben beschriebenen Unterschieden in den PR-Arbeitsmethoden, geht es auch um kulturelle Aspekte wie Pünktlichkeit oder Verlässlichkeit – beispielsweise bei Pressekonferenzen oder Telefonaten. Das südeuropäische Verständnis von Pünktlichkeit für ein Meeting unterscheidet sich einfach von dem der Nordeuropäer. Wenn das Treffen auf einer Messe für 14.30 Uhr ausgemacht wurde, ist es für Franzosen um 14.55 Uhr immer noch fast termingemäß.
Um so gut wie möglich sicherzustellen, dass Redakteure zu bestätigten Meetings auch auftauchen, rufen wir sie an und senden Reminder am Tag vor dem Treffen und meist sogar nochmals am Tag des Meetings. In vielen anderen Regionen würde man das als „etwas zu viel des Guten“ betrachten.
Gut ist allerdings, dass wir hier immer noch Lunch Meetings mit Redakteuren vereinbaren können, die sich dann wirklich Zeit nehmen, um die Firmenvertreter kennenzulernen, indem sie ihre Mittagspause mit dem Businesstreffen kombinieren. Aus vielen anderen Ländern hören wir, dass die Redakteure sich nicht mehr Zeit nehmen können, als für ein kurzes Telefon-Briefing. Und welchen besseren Ort gibt es für ein gutes Mittagessen mit Pressegespräch als Paris?

***

Nächsten Donnerstag berichtet unsere Kollegin Yulia Kiseleva, von Russia in Moskau, über aktuelle PR-Trends und dem etwas anderen Marketing- und PR-„Geschmack“ in Russland.

Sandra Labérenne ist Managing Partner der Agentur Point Virgule in Paris – GlobalCom PR-Network Partner in Frankreich. Sandra arbeitet seit 15 Jahren in der PR Branche und im Bereich .
Point Virgule wurde 1989 gegründet und gehört heute zu den stärksten unabhängigen französischen PR Agenturen. Seit mehr als 19 Jahren hat Point Virgule hunderte von Kunden dabei unterstützt, ihren Bekanntheitsgrad bei den Journalisten und potentiellen Käufern aufzubauen und zu erweitern. Point Virgule arbeitet für Kunden wie Yingli, Dimension Data, Akamai, LSI Logic, Alatavia, Fullsix Group, uvm.

Tags: , , , , , , , , , ,

Aktualisiert am 21. Oktober 2010

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar · TrackBack · RSS Comments

  1. Pingback von PR rund um den Globus: “In Russland, dem Land der grenzenlosen Weite, hat persönliche Nähe Priorität in der Kommunikation“ (Teil 2) | GlobalCom PR-Blog:

    [...] PR rund um den Globus: “Für erfolgreiche PR in Frankreich muss man französich denken” … [...]

    4. November 2010 @ 14:31
  2. Pingback von In 40 Wochen um die PR-Welt | GlobalCom PR-Blog:

    [...] Pünktlichkeit ist in vielen Ländern ein sehr dehnbarer Begriff [...]

    4. August 2011 @ 09:31

Schreibe einen Kommentar