Was wir vom Vinyl lernen können

Im heutigen Beitrag unserer aktuellen Blog-Serie erklärt Derek Brown, Creative Director von JCPR aus New York, die Parallelen zwischen Vinyl-Plattenverkäufen und der Evolution des Kommunikationsbereichs.

 

 

 

 

 

 

 

Geht es um , dann folgt auf die Technologie meist Adaptation. Jahrelang gab es nur ein einziges Medium – das Vinyl. Der Kauf und Besitz von Platten war eine Erfahrung, die den Konsumenten selbst definierte. Wollte man das neue Album eines bestimmten Interpreten haben, musste man in den Plattenladen gehen, es nach Hause bringen und es der Sammlung im Regal hinzufügen. Die eigene Schallplattensammlung wurde zu einem Fenster des eigenen Charakters und die Regale zuhause zeigten ein spezifisches Bild des Besitzers, das jeweils davon bestimmt wurde, welche Künstler und Alben er besaß.

Diese Sammlungen stellten eine unbeabsichtigte Datenquelle in den Köpfen unserer Freunde und Besucher dar. Wir sahen die Alben, die eine Person besaß und erstellten automatisch eine bestimmte Vorstellung über dessen Persönlichkeit. Diese basierte immer nur darauf, welche Musik dieser hörte. Jemand, dessen Regale vollgestopft waren mit Platten der Doobie Brothers oder von Eric Clapton, der hatte eindeutig eine andere Vorstellung von Werten sowie andere Charakterzüge, als jemand, dessen Sammlung nur Beethoven oder Verdi enthielt.

Jedoch gab uns der technologische Fortschritt bald neue Wege, Musik zu konsumieren, die angeblich alle besser, schneller und billiger waren. CDs wurden der neue Maßstab und die Plattenläden mussten sich anpassen. Dann kam der iPod und ganze Musiksammlungen konnten in einem Gerät verstaut werden, das nicht größer war als eine Packung Spielkarten. Während sich die Verkäufe von heruntergeladener Musik ins Unermessliche steigerten, mussten die meisten Plattenläden ihre Türen für immer schließen. Die Musikkonsumenten passten sich wiederum an, in dem sie ihre Turntables und Plattensammlungen für neue Formate eintauschten.

Dann passierte etwas Komisches. Angetrieben von einer kleinen Gruppe Nostalgiker, die davon überzeugt waren, der Klang von Vinyl wäre dem digitaler Medien überlegen, ist die Schallplatt nicht völlig verschwunden. Tatsächlich übertreffen die Verkaufszahlen von Vinyl mittlerweile sogar die digitaler Formate. Während sich heute viele schnell dazu entscheiden, hochwertige CD-Player und MP3-Docks zu kaufen, erfahren auch die Turntables klammheimlich eine Renaissance und für ihre Verkäufe wird im nächsten Jahr mit 40 Prozent Wachstum gerechnet.

Die Verkaufszahlen von Vinyl wachsen nicht nur schnell, sondern sogar exponentiell – bis zu 19 Prozent im letzten Jahr allein. Diese Zahlen können nicht ignoriert werden, ebenso wie die Tatsache, dass 81 Prozent dieser Verkäufe an Kunden unter 35 Jahren fallen – eine Kundensparte, die höchstwahrscheinlich als die „digitale Generation“ betrachtet werden muss.

Man muss kein Experte im Musik-Business sein, um die Parallele zwischen den Plattenverkäufen und der Evolution des Kommunikationsbereichs zu verstehen. Soziale Medien wurden zur CD oder MP3 der Kommunikationswelt. Die auffälligen und stark wachsenden Nutzerbasen von , und Pinterest vermitteln Marketingexperten die Illusion, jede Erwähnung ihrer Marke würde durch diese Kanäle kommuniziert.

In Wahrheit ist es jedoch genau andersherum. Nachforschungen der Keller Fay Group haben herausgefunden, dass nur sieben Prozent der viralen Kommunikation von Markennamen im Onlinebereich geschehen. Demgegenüber werden 91 Prozent der Kaufentscheidungen durch Gespräche von Angesicht zu Angesicht getroffen.

Zwar sollten soziale Medien in Kommunikationsstrategien keineswegs ignoriert werden, jedoch muss ihnen ein der Realität entsprechender Stellenwert innerhalb des Universums der Kaufentscheidungen zugeteilt werden. Soziale Medien sollten die Taktiken der Aufmerksamkeits- und Ansehensförderung ergänzen und diese nicht bestimmen.

Jeder Aspekt von Vinyl bietet ein eigenes Erlebnis – vom Durchsuchen der Albumregale im Laden, über das nach Hause tragen, bis hin zum Lesen des Covertextes und dem Einordnen in eine Sammlung. All dies sind Erfahrungen, die eine gewisse Loyalität generieren, sowohl für den Künstler, als auch für das Medium an sich. Deshalb müssen Unternehmen verstehen, was die Erlebnisse und Konversationen bezüglich ihrer Marke und deren Zielgruppe definiert und dementsprechende Strategien implementieren, die eine tiefgreifende Verknüpfung mit allen relevanten Kommunikationskanälen erstellen.

Folgen Sie Derek Brown auf Twitter @NJDerek

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Aktualisiert am 29. Mai 2013

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