Russland – wachsender PR-Markt mit vielen Herausforderungen

In der vergangenen Woche hat uns Josep M. Iglesias aus Barcelona Einblicke in den -Markt in Spanien gegeben. Heute berichtet Sergej Trofimenko aus Russland..

1.  Welchen Einfluss hatte die globale Rezession 2013 auf die Nachfrage nach PR Services in Russland?

Interessanterweise hat die globale Rezession auf Russland noch keinen allzu großen Einfluss. Nach Angaben von Branchenexperten hat der Markt für PR-Services im September ein Volumen von 1,1 Mrd. US Dollar erreicht.

Sergei TrofimenkoWenn wir uns dann die aktuellen Zahlen für den Werbesektor anschauen, zeigen diese ein Wachstum um zwölf Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Das Gesamtvolumen liegt jetzt bei rund 4,8 Milliarden US Dollar. Innerhalb dieses Marktes hat der Bereich der Internetwerbung am besten abgeschnitten, der ein Wachstum von 30 Prozent zu verzeichnen hat. Was andererseits aber auch keine Überraschung ist – unter anderem nutzen immerhin 25 Millionen Menschen täglich “vkontakte.ru”, eines der populärsten sozialen in Russland. Soviel zu den guten Nachrichten!

Auf der anderen Seite haben bedeutende russische Wirtschaftsexperten erst kürzlich prognostiziert, dass das Wachstum der russischen Wirtschaft stagnieren wird und wir in eine lang anhaltende Rezession hineingehen, analog zu anderen europäischen Märkten. Und aus meiner Sicht wird das keine Krise sein wie 2008, bei der nach zwei Jahren alles wieder normal lief. Diesmal wird das wohl deutlich länger anhalten!

Was nun die PR angeht, so wächst das Geschäft weiterhin, aber die ersten Anzeichen einer Rezession sind bereits sichtbar. Das macht sich unter anderem daran bemerkbar, dass es weniger Retainer gibt und mehr Anfragen von Kunden für PR-Projekte und Events. Die Einkaufsabteilungen großer internationaler Unternehmen sind definitiv bemüht, die entsprechenden Budgets zu reduzieren.

2. Wie wurde Russland 2013 in den Medien dargestellt?

Aus meiner persönlichen Sicht haben die Kommunikationsverantwortlichen einige Fehler gemacht, die Russland in keinem guten Licht gezeigt haben. Da geht es zunächst einmal um den Fall “Pussy Riot”. Wenn man diese Sache lediglich als einen Fall ordnungswidrigen Verhaltens angesehen hätte, bei dem die Verantwortlichen nicht ins Gefängnis gekommen wären, hätte niemand von dieser Sache Notiz genommen. Und nun werden diese Frauen als Freiheitssymbol betrachtet, und die ganze Welt weiß wer “Pussy Riot” ist.  Der zweite Fehler lag in der Entscheidung der Staatsduma zur Propaganda über Homosexualität, was das Image von Russland ebenfalls beschädigt hat. Between Europe and AsiaErst kürzlich habe ich in einem Programm der bekannten russischen Journalistin Marianna Maximovskaya von einer Studie zur Einstellung der Menschen zu Russland gehört. Diese Studie wurde in 39 Ländern durchgeführt. Von den Befragten sagten 39 Prozent, dass das Image von Russland alles andere als gut ist, und nur 36 Prozent sind der Meinung dass es in Ordnung ist. Dagegen haben 63 Prozent eine positive Einstellung zu den USA, und 50 Prozent der Befragten gaben an, dass ein positives Image hat. Diese Ergebnisse zeigen ganz klar, dass wir einiges tun müssen, um diese Einstellungen zu ändern.

Natürlich nutzt die Regierung auch heute schon verschiedene Kommunikationskanäle zur Imagebildung, darunter Russia Today TV oder die Nachrichtenagenturen RIA Novosti und TASS. Hier investiert Russland sehr viel, aber die Fehler, die ich vorhin erwähnt hatte, können unter Umständen den Erfolg aller anderen Bemühungen ruinieren.

3. Welches andere Land stellt demgegenüber ein positives oder negatives Beispiel dar?

Die wichtigsten Themen in den russischen Medien in letzter Zeit waren die Krise im Mittleren Osten und die Situation in Syrien. Dass es hier Unstimmigkeiten zwischen den westlichen Ländern und Russland gibt ist allgemein bekannt. Ähnlich war es aber auch schon im Fall Libyen; hier wurde aber dank einer guten Kommunikationskampagne und der Bemühungen der Diplomaten ein Konsens zwischen Ost und West erzielt. Ich habe deshalb die Hoffnung, dass der Konflikt um die Chemiewaffen auch ohne militärische Operation der USA gelöst wird.

Wenn wir über positive Beispiele im Bereich der Imagebildung sprechen, möchte ich gern China erwähnen. Ich war erst kürzlich wieder dort, und habe erneut festgestellt wie dynamisch die Entwicklung dort ist. Reiseführer, die vor fünf bis sieben Jahren publiziert worden, sind praktisch nutzlos – so viel hat sich inzwischen verändert. Und die chinesische Regierung unternimmt einiges, damit die Medien ausführlich zu all diesen Transformationen berichten – und man muss sich nur einmal anschauen, wie die Olympischen Spiele in Peking organisiert wurden und wer die meisten Medaillen gewonnen hat.

Chinese_touristsAußerdem kommen zunehmend mehr Investoren nach China, denn das Land bietet wirklich viel Potenzial und viele Möglichkeiten. Die chinesische Regierung präsentiert sich mit einer groß angelegten PR Kampagne als stabiles Land und bestätigt Investoren darin, dass ausländisches Kapital in China willkommen ist. Aufgrund des zentralisierten Systems ist es außerdem für China viel einfacher, Informationskampagnen zu konzipieren und durchzuführen – nicht nur in China selbst, sondern auch in anderen Ländern. Außerdem reisen inzwischen immer mehr Chinesen ins Ausland, und laut aktuellen Statistiken werden bis 2015 mehr chinesische Touristen Russland besuchen als Reisende anderer Nationalitäten. Und auch dieser wachsende Tourismus-Boom wird von einer gut organisieren Informationskampagne begleitet.

Erst kürzlich hat die russische PR-Organisation RASO eine Vereinbarung mit der chinesischen PR Assoziation getroffen. Dabei geht es um gemeinsame Bemühungen, das jeweils andere Land der eigenen Bevölkerung besser bekannt zu machen und nahe zu bringen. Insgesamt kann ich nur sagen: Wenn mich Studenten fragen welche Sprache sie lernen sollen, wenn sie zukünftig einen guten Job finden wollen – dann würde ich ohne Zögern antworten: Chinesisch!

Sergei Trofimenko – GlobalCom PR Network member Point Passat communication group, Russia

 

Tags: , ,

Aktualisiert am 10. Oktober 2013

Keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar · TrackBack · RSS Comments

Schreibe einen Kommentar