Taiwan 2013: Wachsender medialer Einfluss und lebhafte politische Debatten

Compass PR_Christine & ClaireDiese Woche verlässt unsere Blogserie Europa und ist zu Gast in Asien. Christine Kao und Claire Chen teilen ihre Erfahrungen aus dem taiwanesischen Markt mit uns.

1.      Welchen Einfluss hatte die globale Rezession 2013 auf die Nachfrage nach Services in Taiwan?

In Asien hat sich die wirtschaftliche Situation während der letzten zehn Jahre permanent verändert. Das ist nicht nur eine Folge der Rezession, sondern auch bedingt durch die Veränderungen, die sich durch den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und Südostasiens ergeben haben.

Die Nachfrage nach PR-Services korrelierte dabei immer mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Für Agenturen, die über Jahrzehnte im Markt aktiv waren, das Vertrauen ihrer Kunden und eine gute Reputation haben, und über Expertise in B2C- und B2B-Kommunikation verfügen, waren die Auswirkungen der Rezession allerdings weniger gravierend.

In der Phase der globalen Rezession hat der Bedarf nach B2B-Kommunikation zugenommen. Hintergrund sind die vielen M&A-Aktivitäten und Restrukturierungen der letzten Jahre. In diesem Jahr kommt ein wachsender Bedarf nach PR insbesondere von Startup-Firmen. Auf strategischer Ebene ist klar zu erkennen, dass Taiwan bei vielen Unternehmen in die Aktivitäten für die Gesamtregion Greater integriert wird. Bei den PR-Aktivitäten für internationale Unternehmen spielen nun PR-Projekte, insbesondere für Unternehmen aus dem FMCG-Sektor für schnelldrehende Konsumgüter, eine größere Rolle. Für Unternehmen aus dem B2B-Bereich ist eine langfristige Zusammenarbeit mit dem PR-Partner allerdings immer noch wichtig, denn sie brauchen eine Agentur, die den jeweiligen Markt und die Produkte gut kennt. Beispiele hierfür sind die Halbleiter- und die IT-Branche.

2.      Wie wurde Taiwan 2013 in den Medien dargestellt?

Die taiwanesischen Medien sehen es nach wie vor als ihre Verantwortung an, die Regierung und deren Aktivitäten zu beobachten und zu analysieren. Zusätzlich zu den Abendnachrichten werden in der PrimeTime (19.00–21.00 Uhr) verschiedene Talkshows gesendet, in denen aktuelle politische Themen diskutiert werden. Diese Talkshows erzielen regelmäßig hohe Einschaltquoten.

Aber auch die digitalen Medien haben sich als sehr einflussreich erwiesen, wie die öffentlichen Proteste anlässlich des Todes eines 24-jährigen Soldaten in diesem Jahr gezeigt haben. Der Tod dieses jungen Mannes war über einen Monat lang ein viel diskutiertes Thema, und die Leute waren nicht zufrieden mit der Reaktion des Militärs zu diesem Fall.

Taiwan_photo by Citizen 1985Schließlich hat sich im Netz eine Aktivistengruppe formiert, Citizen 1985, die dann später zu öffentlichen Protesten aufgerufen hat. Daraufhin sind fast 250.000 Menschen auf die Straße gegangen und haben die Regierung dazu aufgerufen, auf die Einhaltung der Menschenrechte im Militärwesen zu achten. Citizen 1985 hatte dabei nur 39 Mitglieder, und viele von ihnen kannten sich gegenseitig nicht einmal, bevor die Proteste begannen. Das Ausmaß der öffentlichen Reaktion hatte ihre Erwartungen weit übertroffen. Dieses Beispiel zeigt, dass die sozialen Medien inzwischen eine dominierende Rolle spielen, wenn es darum geht an die Öffentlichkeit zu kommunizieren. Die Proteste waren friedlich, und es waren keine Interessengruppen oder politische Parteien involviert. Die Initiative ging von Citizen 1985 aus, und das Ziel lag darin, die Gesetzgebung zur Änderung der Militärgerichtsbarkeit zu beschleunigen. Die Regierung hat für ihre Kommunikation zu diesem Thema sowohl traditionelle als auch soziale Medien genutzt. Dieser Fall zeigt, welche Macht die sozialen Medien haben, wenn es darum geht, die Öffentlichkeit zu mobilisieren.

 3.      Welches andere Land stellt demgegenüber ein positives oder negatives Beispiel dar?

Taiwan hat vor dem Hintergrund der Geschichte und aufgrund der geographischen Nähe enge Beziehungen zu Japan. Als der japanische Premierminister Shinzō Abe sein Amt antrat, hat seine Wirtschaftspolitik, insbesondere die so genannten “drei Pfeile” geldpolitische Lockerung, fiskapolitische Anreize und strukturelle Reformen, für viel Aufmerksamkeit in den taiwanesischen Medien gesorgt. “Abenomics” ist in der Öffentlichkeit inzwischen ein bekannter Schlüsselbegriff. Außerdem hat Premierminister Abe mit den Olympischen Spielen für Tokyo 2020 erst kürzlich einen weiteren Erfolg errungen. Das stärkt das Vertrauen der Verbraucher, insbesondere nach den gravierenden Folgen des Erdbebens 2011. Die Olympischen Spiele werden nicht nur positive Auswirkungen auf Japan, sondern aufgrund der regionalen Nähe und der wirtschaftlichen Verflechtung auch auf andere asiatische Länder haben. Die taiwanesischen Medien beobachten jedenfalls sehr aufmerksam, inwieweit dieses Großprojekt Taiwan beeinflusst und die dynamische Wirtschaft in Asien verändert.

Die Fragen beantworteten Christine Kao, Senior Vice President, (links im Bild) und Claire Chen (rechts), Digital Strategist bei GlobalCom PR Network member Compass Public Relations, Taiwan

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Aktualisiert am 31. Oktober 2013

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