Polen 2013: Stabile PR-Budgets, aber veränderte Medienlandschaft

LukaszDiese Woche sprach unser Blog-Team mit -Profi Lukasz Wilczyński, der seine Sicht auf die Veränderungen in der und der Medienlandschaft in mit uns teilt:

1. Welchen Einfluss hatte die globale Rezession 2013 auf die Nachfrage nach PR Services in Polen?

Die Auswirkungen der Krise waren 2013 in Polen nur noch wenig zu spüren. Es scheint, als sei die schlimmste Zeit überstanden, der Markt hat sich stabilisiert und die Wirtschaft wächst langsam wieder. Polen kauft wieder Konsumgüter und investiert in Immobilien, Autos und neue Technologie. Natürlich sind die Folgen der wirtschaftlich schwachen vergangenen Jahre noch immer in einigen Bereichen spürbar – aber sehr viel weniger als im letzten Jahr. Mit dem erneuten Anstieg des Konsums sehen wir, dass Unternehmen auch wieder mehr in PR und Marketing investieren. Viele Firmen hatten ihre Werbebudgets gekürzt, aber die PR-Budgets scheinen stabil zu bleiben. Hinzu kommt, dass auch internationale Unternehmen das Potenzial des polnischen Marktes erkannt haben und hier in lokale PR-Aktivitäten investieren.

Im Zuge der Krise der vergangenen Jahre musste sich die PR-Arbeit den Umständen anpassen. Die klassische PR wurde um die Gebiete Markenaufbau und Image-Marketing erweitert. Gleichzeitig mussten wir uns mit der veränderten Medienlandschaft auseinandersetzen. Viele Redaktionen wurden geschlossen, Journalisten mussten Ihren Job wechseln und viele versuchen sich als Blogger. Die verbleibenden Verlage wurden zunehmend kommerzieller und selbst die Journalisten scheinen nun Anzeigen verkaufen zu wollen. So wird die redaktionelle Zusammenarbeit bei einigen Medien immer stärker an Marketingkooperationen gekoppelt. Im Klartext heißt das, einige Publikation berichten nicht, wenn die entsprechenden Firmen nicht auch einmal eine Anzeige schalten.

Eine weitere Entwicklung, die sowohl auf die wirtschaftliche Situation bei den Verlagen als auch auf die veränderten Leser-Präferenzen zurückzuführen ist, dass viele vormalige Printmedien auf reine Online-Medien umgestellt wurden. In Kombination mit der wachsenden Bedeutung der sozialen Medien in Polen, ist dies der Grund dafür, dass viele Kommunikationsmaßnahmen sich heute auf Online-Kanäle konzentrieren.

2. Wie wurde Polen 2013 in den Medien dargestellt?

In diesem Jahr gab es viele innenpolitische Themen wie Gesetzesänderungen, die die polnischen Medien beschäftigten. Das veränderte Rentenalter, das auf 67 Jahre angehoben wurde, und die frühere Einschulung mit nun 6 Jahren wurden lebhaft diskutiert. Soziale Themen und Spannungen waren ebenfalls sehr präsent: darunter die Gleichberechtigungsdemonstrationen in polnischen Städten, PolandRetirementAgeDemos für die Rechte homosexueller Partner, das Referendum für die Absetzung des Bürgermeisters vom Warschau und die Aufstände am Unabhängigkeitstag im März.

Die Medien waren sehr freizügig in ihren Kommentaren bezüglich der politischen Entscheidungen. Sie kritisierten beispielsweise die polnische Regierung für ihre mangelnde Toleranz und auch für die schlechten Sicherheitsvorkehrungen bei den Protestmärschen. Die Regierung konnte auch keine gute PR für sich bei der Kommunikation ihrer Entscheidungen bezüglich wirtschaftlicher und sozialer Themen für das Jahr 2013 umsetzen.

Meiner Meinung nach waren aber die beiden größten Medienthemen in diesem Jahr die Untersuchungen zum Flugzeugabsturz in Smoleńsk im Jahr 2010 sowie die Klimakonferenz, die in diesem Monat in Polen stattgefunden hat.

 3. Welches andere Land stellt demgegenüber ein positives oder negatives Beispiel dar?

Es ist schwer zu sagen, welches Land 2013 die meiste Medienaufmerksamkeit in Polen erzeugt hat. Die Krise in Spanien war sicherlich ein Thema, aber auch über die Wahlen in Deutschland wurde umfassend berichtet. Über die gab es im ganzen Jahr ebenfalls viele Berichte, vom Bombenattentat beim Boston Marathon bis hin zur Regierungskrise.

Die meisten Berichte behandelten ernste oder negativ belegte Themen. Es gab aber auch einige positive Ausnahmen. Darunter die Aktion der karitativen Organisation „Make a Wish“ in Kooperation mit der Stadt San Francisco. Sie verwirklichte den Wunsch eines fünf Jahre alten Jungen, für einen Tag Batman zu sein. Miles musste mit Leukämie kämpfen seit er ein Jahr alt ist. Heute befindet er sich auf dem Weg der Besserung. Für seinen Wunsch verwandelte sich San Francisco in Gotham City, das in Gefahr war und nur von Batman und „BatKid“ gerettet werden konnte. Miles wurde in einem Batmobil, einem schwarzen Lamborghini, herumgefahren und musste „Verbrechen“ aufklären, die von Freiwilligen inszeniert wurden.

Am Ende des Tages erhielt Miles den Schlüssel zur Stadt und eine Dankesnachricht des Präsidenten der USA, Barack Obama. Das war ein hervorragendes Beispiel für eine Initiative, die eigentlich für eine kleine Zielgruppe gedacht war, dann aber immer größer wurde und eine riesige Zielgruppe erreichte. Durch die große Medienaufmerksamkeit wurde die Aktion darüber hinaus auch zu einer idealen PR für „Make A Wish“ sowie die Stadt San Francisco. Ich denke ähnliche Initiativen wären auch in Polen sehr publikumswirksam.

Author: Lukasz Wilczyński, Planet PR, GlobalCom PR Network Team in Krakow

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Aktualisiert am 27. November 2013